6. Grenadier Kompanie Düsseldorf Oberbilk Gegr. 1848 „WIR“
Das Schützenfest steht wieder vor der Tür, oder sagen wir: Es wirft seine Schatten voraus. Als nicht unbedingt ein Profi im „Kneipe besuchen“ wird man jedoch häufig mit Knatsch und Tratsch
bei Schützens konfrontiert. Viele Menschen sind tatsächlich der Ansicht, dass im Schützenverein alles glattgehen sollte.
Aber machen wir uns nichts vor. Wenn nicht getratscht, gemeckert, gestänkert oder Ähnliches geredet werden könnte, würde doch etwas fehlen. In unserem sehr alten Schützen-Archiv habe ich viel geblättert und gelesen. Wer glaubt die Besserwisserei sei eine neue Erfindung, der irrt. In unserem Protokollbuch von 1888 – 1914 treten schon die menschlichen Probleme der Schützen zu Tage.
Ein offensichtlich verärgerter Schütze hat dieses Buch beschädigt und einige Passagen sind nicht mehr vollständig. Der Grund des Vandalismus lässt sich nach mehr als einhundert Jahren nicht mehr feststellen.
Auch in späteren Jahren wurde schon viel gemeckert. Es gab wohl Kameraden, die sich für das Wohl der Schützen eingesetzt haben, aber es gab eben so viele, denen nichts recht war, so wie heute.
Es lässt sich ja so trefflich hinter vorgehaltener Hand meckern und wenn ein paar Bierchen die Kehle passiert haben, klappt es um so besser. Bei den Schützen wird getrunken, mal mehr, mal weniger.
Außenstehende erheben dann den Zeigefinger und mahnen ehe sie ihr Glas erheben und dem Gesprächspartner eilends zuprosten.
Weisheiten werden vorgetragen und Witze erzählt, am Besten über andere. Man ist ja schließlich “WER” und hat das Recht zu sagen, was passieren soll.
In diesem Augenblick fällt mir ein Spruch ein. Unser allseits bekannter Dr. Bob hat ihn mir mal zu gesandt.
Es gibt viele gute Gründe fürs Trinken und einer hat mich erreicht.
Wenn ein Mann nicht zu Lebzeiten trinken kann, wie soll er dann verdammt noch mal trinken, wenn er tot ist?
Irischer Trinkspruch (Mail von Dr. Bob)
Spätestens hier stellt sich manch ein Leser die Frage: Welche Meinung vertritt eigentlich der Schreiber? Helfen will er. Wir alle sind Schützen, Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen. Es ist an dieser Stelle nicht nötig, die Frage nach dem Woher zu stellen. Wichtig ist das Wohin. Das “WIR” sind nur drei Buchstaben aber ausreichend für eine Einstellung.
Immer wieder müssen wir erfahren, dass außergewöhnliche Ereignisse jeden treffen können. In der Gemeinschaft lässt sich vieles besser ertragen. Man redet miteinander, man ist nicht allein, man kann einen Kameraden um Hilfe bitten, man kann helfen. Der Gedankenaustausch über das Alltägliche ist sehr wichtig und wer schon einmal in Not war und mit einem Kameraden sprechen konnte, hat erfahren, wie wichtig die Gemeinschaft ist.
Es fällt viel leichter, sich mit einem Freund auszutauschen, als einen Fremden anzusprechen.
Es ist bezeichnend, dass unser Schützenverein 1848 gegründet wurde. Ein Stadtteil war entstanden, Menschen haben damals fast doppelt so lange gearbeitet wie heute.
Die körperliche Arbeit stand im Vordergrund. Ein Feierabend, wie heute war noch mangelhaft. Aber was rede ich da. Viele Kameraden arbeiten auch in unserer Zeit wieder zu jeder Tages- und Nachtzeit. Schichtdienst ist schon keine Seltenheit mehr. In vielen Bereichen unseres Lebens wird von der Entfremdung gesprochen. Nachbarn sind vielfach schon eine Seltenheit. Oft greift der Egoismus Raum und das “ICH” steht im Fokus. Es tut gut, einige Stunden im Kreis von Menschen zu verweilen, die oft die unterschiedlichsten Interessen haben, aber sich im Kreis von Schützenkameraden wohlfühlen.
Die Meckerer und Miesmacher versuchen dann, auf ihre Art Stimmung zu machen, alles unter dem Motto:
Häste schon jehöt? Nee, dat is jo schrecklich, wat häste jesaht? Is nit wohr!
Jew uns noch zwei Alt. Drenkse och ne Kohze?
Schützen müssen nicht lange überlegen, alles schon gehört. Natürlich gehört auch das zum Schützenwesen und ist nicht verwerflich, ist aber nicht die Regel. Wie selten sind doch die Stunden im Kreis der Kameraden.
Da wird gefeiert und beim Schießen gekämpft. Da wird gelacht und getrauert, aber das “WIR” steht im Blickpunkt. Alle sollten auch darüber nachdenken, junge Menschen für unser Tun zu werben. Als Pagin oder Page kann man bei den Schützen anfangen und mitmachen, als alter Mensch erlebt man das Treiben in der “Mitte”. Die Langeweile und Vereinsamung greifen nicht Raum, man ist ja unter Menschen. Ich habe Leute gesprochen, die in der Kompanie Knas hatten und ausgetreten sind. Man glaubte die anderen zu bestrafen, lächerlich. Bestraft waren sie selbst und sind in ihrem Kämmerlein sehr einsam zurück geblieben, traurig.
Aufgeschrieben habe ich meine Gedanken, weil so viel erzählt wurde und die Gerüchteküche kochte auf Hochtouren. Aber wie habe ich schon im ältesten Festbuch des Oberbilker Schützenvereins von 1898 gelesen:
„Keine Leitung eines Vereins kann etwas Tüchtiges zuwege bringen, wenn nicht der Geist der Einigkeit unter den Mitgliedern herrscht, wenn nicht alle Mitglieder darauf bedacht sind, die Wohlfahrt und die Ehre des Vereins zu fördern.”
Schließen möchte ich mit einem weiteren Satz aus dieser Schrift: Möge auch der Verein allzeit seinen vorgezeichneten Grundsätzen treu bleiben und in diesem Sinne leben, blühen und gedeihen.
Ein frohes Schützenfest 2011 und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Vergnügen wünscht die
6. Grenadier Kompanie
Euer Wilhelm von Stoffeln